Marktrecherche · KI-Wissensplattformen DACH

Wer bedient das Firmenwissen im Mittelstand?

Siebzehn Anbieter, fünf Kategorien: von den Frontier-Abos über die DSGVO-Multi-LLM-Plattformen bis zu echten Company Brains und souveränen Betriebssystemen. Wer bedient welches Segment, zu welchem Preis, mit welchem Hosting.

17
Anbieter im Vergleich
5
Kategorien statt der üblichen drei
20–30 €
Preisband je Nutzer und Monat, in dem sich das DACH-Feld konsolidiert hat

Angaben aus Anbieter-Primärquellen (Preisseiten, Dokumentationen, Auftragsverarbeitungsverträge, Handelsregister), Finanzierungs- und Firmendatenbanken sowie Branchenberichterstattung, Stichtag 14.08.2026. Preise sind Listenpreise, netto. Enterprise-Konditionen sind bei mehreren Anbietern nicht öffentlich und als Schätzung gekennzeichnet.

Kurzfazit

Ein Markt, zwei Geschwindigkeiten

Oben drängen die Frontier-Abos nach unten, unten drängt ein dichtes Feld deutscher Chat-Plattformen nach oben — und dazwischen bleibt eine Größenklasse unbedient.

01

Das DSGVO-Chatfeld ist voll

Langdock, meinGPT, DeutschlandGPT, Omnifact, nele.ai und innoGPT konkurrieren in einem engen Funktions- und Preisband. Multi-LLM-Zugang, EU-Hosting und ISO 27001 sind hier zu Hygienefaktoren geworden.

  • Konsolidierung um 20 bis 30 € je Nutzer und Monat
  • Die Wissensdatenbank ist meist Zusatzmodul, nicht Kern
02

Echte Company Brains sind rar

Nur wenige Anbieter liefern Berechtigungsvererbung aus den Quellsystemen und belegbare Antworten mit Sprungmarke ins Dokument. Diese Kategorie ist funktional reifer, aber teuer, technisch anspruchsvoll oder mit Mindestabnahmen belegt.

  • amberSearch, Glean, Onyx, Dust
  • Mindestabnahmen von 50 bis 100 Nutzern sind die Regel
03

Souveränität kostet sechsstellig

On-Premise-fähige, auditierbare Plattformen existieren und funktionieren — sie zielen aber auf Konzerne, Behörden und KRITIS. Für den typischen Mittelständler sind sie preislich unerreichbar.

  • Aleph Alpha PhariaAI, CompanyGPT, RAGOS
  • Fünf- bis sechsstellige Jahresverträge, kein Self-Service

Marktkontext

Die Nachfrage wächst schneller als die Reife

Zwei unabhängige Erhebungen zeichnen dasselbe Bild: KI-Nutzung verbreitet sich rasch, die Größenschere bleibt aber offen — und die Präferenz für deutsche Anbieter ist ausgeprägt.

36 %

Jedes dritte Unternehmen nutzt KI

Bitkom Research, 09/2025

Fast eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr (20 %). Basis: 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten.

93 %

Präferenz für deutsche Anbieter

Bitkom Research, 09/2025

Der mit Abstand deutlichste Einzelbefund der Erhebung — und die wirtschaftliche Grundlage des gesamten DACH-Anbieterfelds.

23 / 57 %

Die Größenschere

Destatis IKT-Erhebung 2025

Kleine Unternehmen 23 %, mittlere 36 %, Großkonzerne ab 250 Beschäftigten 57 %. Gesamtwert ab 10 Beschäftigten: 26 % nach 20 % (2024) und 12 % (2023).

Einordnung

Die übliche Dreiteilung trägt nicht mehr

Die gängige Sortierung in Frontier-Abos, Konzern-Assistenten und LLM-Plattformen ist als grobe Orientierung noch tragfähig, aber weder trennscharf noch vollständig. Frontier-Abos haben mit Connectors, Projects und Deep Research selbst RAG-Licht-Funktionen integriert und drängen von unten in den Markt der Wissensplattformen. Umgekehrt gehören ein DSGVO-Multi-LLM-Aggregator für den breiten Markt und ein souveränes KI-Betriebssystem für Konzerne und Behörden nicht in dieselbe Schublade. Wer beschafft, sollte nach der gelösten Aufgabe sortieren, nicht nach der Produktgattung.

Kategorisierung

Fünf Kategorien, fünf gelöste Aufgaben

Jede Kategorie löst ein anderes Problem. Der Preisunterschied zwischen der ersten und der fünften beträgt drei Größenordnungen — das ist keine Preisspanne, sondern ein Kategorienwechsel.

01

Frontier-Abos

ChatGPT · Claude · Gemini

Generische Assistenten mit RAG-Licht über Connectors. Lösen individuelle Produktivität einzelner Wissensarbeiter — nicht die kuratierte, berechtigungssichere Firmenwissensbasis.

  • EU-Datenhoheit nur eingeschränkt, im EWR fehlen einzelne Funktionen
  • Zugleich der eigentliche Auslöser ungesteuerter Schatten-KI
02

Konzern-Assistenten

Microsoft 365 Copilot · Gemini Enterprise

Ökosystemgebundene Assistenten. Lösen den Wissenszugriff innerhalb der Microsoft- beziehungsweise Google-Welt, verlangen aber die passende Basislizenz und in der Praxis Change Management.

  • Gemini Enterprise (seit 10/2025, vormals Agentspace) überschneidet sich mit Kategorie 4
  • Ohne gepflegte Datenbasis bleibt der Nutzen gering
03

DSGVO-Multi-LLM DACH

Langdock · meinGPT · Omnifact · nele.ai · innoGPT · DeutschlandGPT

Aggregatoren mit EU-Hosting und aufgesetzter Wissensdatenbank. Lösen sichere KI-Nutzung und Schatten-IT-Vermeidung — die Wissensdatenbank ist dabei meist Zusatzmodul, nicht Kern.

  • Stark besetzt, preislich eng konsolidiert
  • Differenzierung läuft zunehmend über Onboarding und Begleitung
04

Enterprise-Search & Company Brains

amberSearch · Glean · Onyx · Dust

Echte RAG-Systeme mit Berechtigungsvererbung aus den Quellsystemen und Belegbarkeit je Aussage. Lösen den unternehmensweiten Wissenszugriff — sind aber teuer, DIY oder mit hohen Mindestabnahmen belegt.

  • Die funktional reifste Kategorie
  • Klare Segmentierung: KMU-DACH, oberes Enterprise, Selbstbauer, Agenten
05

Souveräne Plattformen

Aleph Alpha PhariaAI · CompanyGPT · RAGOS

On-Premise-fähige, auditierbare Betriebssysteme. Lösen kritische Souveränitätsanforderungen bis hin zu Erklärbarkeit und Audit-Trails — überfordern den typischen Mittelständler preislich.

  • Zielgruppe: Konzerne, öffentliche Verwaltung, KRITIS, Verteidigung
  • Einführungsdauer typisch 4 bis 12 Wochen
06

Randkategorien

Baukästen · Frameworks · Beratungshäuser

Adressierbar, aber nicht direkt konkurrierend: No-Code-RAG-Baukästen und Open-Source-Frameworks (LangChain, LlamaIndex, Haystack, Weaviate) sowie Beratungshäuser mit eigenem Produkt (Pexon, Reepa, innFactory).

  • Volle Kontrolle, voller Eigenaufwand
  • Betriebsverantwortung bleibt im Haus

Anbietermatrix

Siebzehn Anbieter im Überblick

Filter und Suche sitzen in der Leiste oben; auf schmalen Bildschirmen wird jede Zeile zur Karte.

Anbieter Zielgruppe belegt Preisspanne Stand 2026 Hosting Gesamteinschätzung

Reifegrad

Die sieben relevantesten Anbieter, fünf Dimensionen

Bewertet werden nur öffentlich belegbare Sachverhalte: Referenzkunden mit Namen, veröffentlichte Preise, Zertifikate, Dokumentation, Selbstregistrierung.

●●●●● führend ●●●●○ stark ●●●○○ solide ●●○○○ begrenzt ●○○○○ schwach
Anbieter Reife Passung Mittelstand Passung Solopreneure Datenschutz Lieferfähigkeit
Wie die Skala zu lesen ist: Bewertet wird die belegbare Passung zum jeweiligen Segment, nicht die Produktqualität an sich. Eine 1 bei „Passung Solopreneure“ heißt nicht, dass ein Produkt schlecht ist — sondern dass es diese Zielgruppe konstruktiv nicht bedient, etwa durch eine Mindestabnahme von 50 Nutzern. Umgekehrt bedeutet eine 5 bei „Reife“ nicht, dass das Produkt für jedes Unternehmen geeignet wäre.

Kosten

Preise auf einen Blick

Listenpreise Stand 08/2026, netto. Wo Enterprise-Konditionen nicht veröffentlicht sind, ist der Wert als buyer-reported gekennzeichnet und entsprechend als Schätzung zu behandeln.

Anbieter Einstieg Standard Enterprise / Projekt Test
amberSearchEnterprise-Search Starter 9,99 €/Nutzer/Mon., ab 1 Nutzer Professional 13,99 € · Business 17,99 € — jeweils ab 50 Nutzern Mindestabnahme custom ab 500 Nutzern; Mengenrabatte automatisch ab 100 30 Tage, ohne Kreditkarte
nele.aiDSGVO-Multi-LLM ab 10 €/Mon. fürs gesamte Unternehmen (1.000 Credits) 10.000 Credits plus Wissensdatenbank 119,99 € pauschal 7 Tage, 1.000 Credits
innoGPTDSGVO-Multi-LLM Personal 19 €/Mon. Business 25 €/Nutzer; ab 5 Nutzern 125 €
DeutschlandGPTDSGVO-Multi-LLM ab 19 €/Mon., nutzungsabhängig 120 €/Mon. für 5 Nutzer
LangdockDSGVO-Multi-LLM Business ab 20–25 €/Nutzer/Mon. jährlich rund 23 € bis 1.000 Nutzer · Business Max 99 € ab 1.000 Nutzern individuell; Workflows-Add-on 449–1.199 €/Workspace/Mon. 7 Tage
OmnifactDSGVO-Multi-LLM Pro 25 €/Nutzer/Mon. (jährl.), Deckel bei 50 Nutzern custom ja, Selbstregistrierung
DustEnterprise-Search Pro 29 €/Sitz/Mon. (bzw. 30 USD, jährlich −20 %) Business Self-Serve bis 100 Sitze, danach custom 14–15 Tage, ohne Kreditkarte
meinGPTDSGVO-Multi-LLM Self-Service 29 €/Nutzer/Mon. (inkl. 9 € KI-Guthaben) ab ca. 500 €/Mon. Plattformgebühr plus Lizenz · Pilot 10.000–20.000 € (90 Tage, all-in) 10 Tage
Microsoft 365 CopilotKonzern-Assistent Business 18,20 €/Nutzer/Mon. (Aktion 15,60 € bis 30.06.2026) Enterprise 28,10 € — jeweils plus Basislizenz; realistische Gesamtkosten 28 bis 64 €
OnyxEnterprise-Search, Open Source Community Edition kostenlos (MIT) Enterprise Edition separat lizenziert self-hosted, jederzeit
GleanEnterprise-Search ca. 40–75 USD/Nutzer/Mon. buyer-reported, nicht öffentlich Mindestvertrag ca. 60.000 USD ACV bei rund 100 Sitzen; Paid PoC bis 70.000 USD
CompanyGPTSouveräne Plattform Jahr 1 ca. 66.000–144.000 € für 200 Nutzer
Aleph Alpha PhariaAISouveräne Plattform Preis auf Anfrage; Einstiegsverträge fünfstellig, mit On-Premise schnell im hohen sechsstelligen Jahresbereich kein Self-Service

Marktlücken

Zwei Größenklassen fallen durch das Raster

Der Markt ist bei den DSGVO-Multi-LLM-Chataggregatoren für den Mittelstand überbesetzt und bei belegbaren Company Brains unterhalb der Mindestabnahmen unterversorgt. Die Lücke ist keine Preisfrage, sondern eine Konstruktionsfrage: die reifen Produkte beginnen dort, wo die meisten Mittelständler aufhören.

01

Solopreneure und Kleinstunternehmen unter 10 Mitarbeitenden

Für Berater, Kanzleien, Agenturen und technische Gutachter mit anspruchsvollem Dokumentenbestand gibt es keinen sauberen, belegbaren Einstieg. amberSearch verlangt beim Kernprodukt 50 Nutzer Mindestabnahme, Glean rund 100, Dust wird ab 100 Sitzen enterprise. Es fehlt ein transparenter Tarif im niedrigen zweistelligen Eurobereich pro Monat.

02

Unternehmen von 10 bis 50 Mitarbeitenden

Diese Gruppe will eine echte berechtigungssichere Wissensbasis mit Belegbarkeit, kann aber weder Enterprise-Search-Mindestverträge noch DIY-Open-Source stemmen. Omnifacts Pro-Tarif deckelt bei 50 Nutzern und kanalisiert bewusst Richtung Enterprise; amberSearchs Kernprodukt beginnt erst bei 50. Dazwischen klafft eine Lücke.

03

Was Hygienefaktor geworden ist

Multi-LLM-Auswahl, EU-Hosting, ISO 27001, Auftragsverarbeitungsvertrag, vertraglicher Trainingsausschluss, Quellenangabe im Grundsatz sowie SharePoint- und Confluence-Konnektoren. Damit lässt sich 2026 kein Wettbewerbsvorteil mehr begründen — ihr Fehlen ist aber ein Ausschlusskriterium.

04

Was noch echte Differenzierung ist

Verlässliche Belegbarkeit je Aussage mit ehrlicher Nicht-Deckungs-Aussage statt Halluzination. Exakte Tabellenzahlen über echte Datenbankabfrage statt Modellschätzung. Nachweisbares Löschverhalten. Wählbare Datenhoheit als Konfigurationsschalter über mehrere Stufen. Und saubere Berechtigungsvererbung aus den Quellsystemen — die im untersuchten Feld nur amberSearch überzeugend liefert.

Entscheidungshilfe

Welche Kategorie passt wann?

Sechs typische Ausgangslagen — und die Kategorie, die darin am wenigsten Reibung erzeugt. Keine Beschaffungsempfehlung, sondern eine Vorsortierung.

01

Unter 10 Mitarbeitende

Realistisch bleiben derzeit ein Frontier-Abo für die individuelle Produktivität plus ein unternehmensweites Credit-Modell für die gemeinsame Nutzung. Ein belegbarer Company Brain ist in dieser Größe am Markt praktisch nicht zu bekommen.

  • nele.ai als einziger nennenswerter Einstieg ohne Sitzlizenzen
  • amberSearch Starter deckt Agenten, nicht die volle Suche ab
02

10 bis 50 Mitarbeitende

Die schwierigste Größenklasse. Entweder man akzeptiert die Chataggregator-Lösung mit aufgesetzter Wissensdatenbank — oder man kauft sich in eine Mindestabnahme ein, die über dem tatsächlichen Bedarf liegt.

  • Vorher klären: reicht Suchen und Zusammenfassen, oder braucht es Rechtevererbung?
  • Omnifact deckelt bei 50 Nutzern — bei Wachstum Kategorienwechsel einplanen
03

50 bis 250 Mitarbeitende

Ab hier greifen die echten Company Brains. amberSearch ist im deutschen Mittelstand die belegbarste Wahl: Berechtigungsvererbung, Quellenangabe mit Sprungmarke, über 200 teils namentlich genannte Kunden, transparente Preise.

  • Über 70 Integrationen, Hosting auf T-Cloud, ISO 27001
  • Kleines Team — Lieferfähigkeit im Projekt konkret prüfen
04

Tief in Microsoft 365 verankert

M365 Copilot erbt die bestehenden Berechtigungen automatisch und erspart damit die gesamte Rechte-Diskussion. Der Preis dafür ist Ökosystemzwang, eine Basislizenzpflicht und Gesamtkosten deutlich über dem Listenpreis.

  • Ohne gepflegte Datenbasis bleibt es ein teurer, ungenutzter Knopf
  • Realistische Gesamtkosten 28 bis 64 € je Nutzer und Monat
05

Regulierte Branchen, KRITIS, Verwaltung

Hier führt der Weg zu den souveränen Plattformen. Aleph Alpha PhariaAI liefert Erklärbarkeit, Audit-Trails und vollständigen On-Premise-Betrieb ohne CLOUD-Act-Zugriff — bei fünf- bis sechsstelligen Jahresverträgen.

  • Einführung typisch 4 bis 12 Wochen, kein Self-Service
  • CompanyGPT als Alternative im eigenen Azure-Tenant
06

Technische Teams mit Eigenbetrieb

Onyx (ehemals Danswer) ist als Community Edition unter MIT-Lizenz kostenlos und funktional reif. Der Aufwand verschiebt sich damit vollständig von der Lizenz in den Betrieb.

  • Volle Datenhoheit, volle Betriebsverantwortung
  • Dust als Mittelweg, wenn Agenten-Orchestrierung im Vordergrund steht
Zur Belastbarkeit der Zahlen. Diese Übersicht bewertet die öffentlich belegbare Lieferfähigkeit zum Stichtag 14.08.2026; Produktstände können sich in diesem Markt innerhalb weniger Wochen ändern. Vor einer Beschaffungsentscheidung sollten insbesondere die folgenden Punkte beim Anbieter bestätigt werden:
  • Enterprise-Preise sind bei ChatGPT Enterprise, Claude Enterprise, Glean, Aleph Alpha und Gemini Enterprise nicht offiziell veröffentlicht; die genannten Spannen sind buyer-reported oder aus Sekundärquellen.
  • Zu Omnifact ließen sich SOC 2 und BSI-C5 nicht öffentlich bestätigen (belegt ist ISO/IEC 27001:2022, zertifiziert seit 14.04.2026) — das Trust Center des Anbieters prüfen.
  • Die Mindestsitzzahl bei Claude Team wird in Sekundärquellen widersprüchlich mit 2 oder 5 angegeben; die offizielle Preisseite nennt keine explizite Mindestzahl.
  • Mitarbeiterzahlen schwanken je Quelle und Stichtag; verwendet wurden die jeweils jüngsten belastbaren Angaben.
  • Mehrere DACH-Vergleichsquellen sind redaktionelle Einschätzungen ohne Hands-on-Test oder von Anbietern selbst verfasst und daher mit Interessenkonflikt behaftet.